Die Deutschen und der Fußball: Erfolgsmodell Bundesliga
Die Fußballbegeisterung in deutschen Landen war seit jeher groß. Schon im Januar 1900 wurde der Deutsche Fußball Bund (DFB) gegründet. In den goldenen 20er-Jahren der Weimarer Republik buhlten neben dutzenden von kleineren Blättern gleich drei größere Spezialpostillen, der 1920 gegründete „Kicker“ aus Nürnberg, die Berliner „Fußballwoche“ und der DFB-kritische „Fußball“ aus München um die Gunst der Fans. Und bei der Radioreportage vom WM-Endspiel Deutschland gegen Ungarn mit dem „Wunder von Bern“ am 4. Juli 1954 sollen 50 Millionen Bürger vor den Radios mitgefiebert haben.
Die Bundesliga als zentrale deutsche Spielklasse sollte daher eigentlich schon Anfang der 50er Jahre gegründet werden, schreibt der DFB in seiner Chronik. Davor gab es fünf Oberligen – Nord, Süd, West, Berlin und Südwest –, deren Meister und Tabellenzweite in einer Endrunde um den Meistertitel spielten. Auf dem Feld tummelten sich derzeit in der Regel Amateure, trainiert und gespielt wurde in der Freizeit. Damit wollte sich allerdings manch einer nicht zufrieden geben: Zu den Verfechtern des Profi-Fußballs nach englischem Vorbild zählte vor allem Sepp Herberger. Der damalige Bundestrainer war auch ein wichtiger Fürsprecher der Bundesliga.
Der Anpfiff der ersten Bundesliga-Saison erfolgte am 24. August 1963. Am gleichen Abend lief beim erst wenige Monate davor gestarteten ZDF (offizieller Senderstart: 1. April 1963) zum ersten Mal das aktuelle Sportstudio. Es ergänzte die Sportsendungen ZDF-Sportspiegel (seit 2. April 1963) und ARD-Sportschau (seit 4. Juni 1961). Ende 1963 stand allerdings erst in etwa 8,5 Millionen Haushalten der damaligen Bundesrepublik inklusive Berlin West ein TV-Gerät.
Das Interesse an den Spielen war groß: In der ersten Spielrunde 1963/64 wurden bereits stattliche 5,9 Millionen Stadionkarten für Bundesligaspiele abgesetzt – das waren rund 24600 pro Spiel. Die Zahl hat sich seit Bestehen der Liga mittlerweile mehr als verdoppelt. In der Saison 2003/2004 wurde erstmals die zehn-Millionen-Marke überschritten.
Während der abgelaufenen Saison 2009/2010 wurden satte 13 Millionen Stadion-Zuschauer gezählt, das sind pro Spiel durchschnittlich 42500. Dabei ist zu berücksichtigen, dass 2007/2008 erstmals die absoluten Besucherzahlen ermittelt wurden. Zuvor fanden ausschließlich Kaufkarten Eingang in die Statistik.
Trikotwerbung in der Liga war nach einschlägigen Quellen erstmals 1967 ein Thema: Da wollte der Fußballverein Wormatia Worms aus Finanznot das Logo seines Förderers, des Baumaschinenherstellers Caterpillar, auf die Trikots nehmen. Es blieb jedoch bei einem Versuch – der DFB legte sein Veto ein. Das änderte sich sechs Jahre später. Nach monatelangen Auseinandersetzungen mit dem Verband war der Verein Eintracht Braunschweig der erste Bundesligist, der mit Trikot-Werbung spielte. Der erste „offizielle“ Sponsor war Jägermeister. Der Unternehmer Günter Mast, Chef des Wolfenbütteler Kräuterlikörherstellers, soll dafür insgesamt fünfmal 100.000 Mark überwiesen haben. Den Braunschweigern, die jedoch bald darauf eine Klasse abstiegen, folgten mit Trikotwerbung unter anderem der Hamburger SV mit Campari, daneben die Teams Eintracht Frankfurt (Remington), der MSV Duisburg (Brian Scott) und Fortuna Düsseldorf (Allkauf). Inzwischen erhalten Spitzenvereine wie der deutsche Rekordmeister FC Bayern München für den Platz auf der Spielerbrust von ihrem Hauptsponsor Telekom laut Schätzungen bis zu 20 Millionen Euro pro Jahr.
In wirtschaftlicher Hinsicht kann die Bundesliga ebenfalls glänzen. Der Gesamtumsatz der Top-Liga dürfte in der Saison 2009/2010, immerhin eine Zeit allgemeiner Wirtschaftskrise, ein weiteres Mal gestiegen sein – nach Schätzungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte betrug der Gesamtumsatz über 1,6 Milliarden Euro. In der Runde 2008/2009 waren es 1,58 Milliarden Euro gewesen. Die Bundesliga bringt es damit unter den europäischen Spitzenliegen Premier League (GB), Primera Division (Spanien), Serie A (Italien) und Ligue 1 (Frankreich) auf Rang zwei nach den Briten. Diese kamen 2009/10 auf 2,36 Milliarden Euro Umsatz, mussten jedoch einen kleinen Umsatzverlust gegenüber 2008/2009 hinnehmen. Binnen zehn Jahren hat der Erlös der Bundesliga um über 60 Prozent zugelegt.
Die zuletzt ausgewiesenen Erlöse in der Saison 2008/2009 resultieren laut Deloitte-Berechnungen zu jeweils 31 Prozent aus TV und Sponsoring-Einnahmen (je 489 Mio. Euro), 23 Prozent sind Spieltagerlöse wie etwa der Verkauf von Eintrittskarten (363 Mio. Euro). Die restlichen 15 Prozent (234 Mio. Euro) entfallen auf sonstige Einnahmquellen. Unter den 30 umsatzstärksten europäischen Clubs der Saison 2008/2009 finden sich sechs deutsche, allen voran der FC Bayern München (289,5 Mio. Euro), der Hamburger SV (146,7 Mio.), FC Schalke 04 (124,5 Mio.), Werder Bremen (114,7 Mio.), Borussia Dortmund (103,5 Mio.) und der VfB Stuttgart (99,8 Mio.).
Mit nachlassendem Interesse am Produkt Fußball im übertragenen Sinne ist derzeit genauso wenig zu rechnen wie mit rückläufigem Absatz von Lederbällen. Dafür sorgen nicht nur Spitzen-Events wie die WM. Während die großen Sportverbände, darunter Turner-, Tennis- und Schützenbund sowie Leichtathletikverband in den vergangenen Jahren Mitglieder einbüßten, legt die Zahl der organisierten Fußballer zu: 6,76 Mio. Mitglieder zählt der Fußball-Bund 2010, 2009 waren es 6,68 Mio. und 2008 circa. 6,56 Mio. Sie kicken in knapp 26.000 Vereinen mit über 180.000 Mannschaften. Damit bilden die Fußballer den größten Sportverband. Erst mit viel Abstand folgt der Turner-Bund, der es auf knapp fünf Millionen Mitglieder bringt.
Das Potenzial für die Bundesliga ist längst nicht ausgeschöpft. Während die klassische Hardcore-Fußball-Klientel seit jeher überwiegend männlich ist, lassen Ereignisse wie die WM zunehmend auch Frauen mitfiebern – und bei so manchem weiblichen Fan hält die Begeisterung auch dann an, wenn der WM-Torschütze wieder in „seinem“ Verein spielt.
Für das regelmäßige Verfolgen der Bundesliga-Spiele könnten die Bundesbürger sogar erhöhte Ausgabebereitschaft zeigen, hofft der Pay-TV-Anbieter Sky. Der Bezahlsender versucht, durch die exklusive Übertragung von Bundesligaspielen die Zahl seiner Abonnenten zu steigern. Derzeit leisten sich allerdings nur etwa rund 2,5 Millionen Haushalte und Gaststätten das Pay-TV-Angebot. Wie viele davon es aus Interesse an der Bundesliga tun, ist offen. Für einen Großteil dürfte dies aber der Grund sein.
Das Interesse am Fernsehfußball ist jedenfalls riesig: Als erster Free-TV-Sender durfte die ARD in der „Sportschau“ Bilder vom Spieltag am Samstag zeigen. Durchschnittlich 5,3 Millionen Zuschauer sahen in der abgelaufenen Saison zu. Unter den zehn reichweitenstärksten Einzelsendungen im Free-TV 2009 finden sich gleich vier Live-Übertragungen von Spielen – so brachen es drei Qualifikationsspiele zur WM 2010 sowie das Länderspiel Deutschland gegen die Elfenbeinküste auf jeweils mehr als zehn Millionen Zuschauer. Das Qualifikations-Match Russland gegen Deutschland am 10. Oktober im ZDF wollten fast 12,5 Millionen Zuschauer sehen. Damit war das Spiel im Vorjahr die meistgesehene TV-Sendung. Zwar zogen auch drei Übertragungen von Boxkämpfen auf RTL jeweils zehn bis elf Millionen Zuschauer vor den Fernsehschirm. Laut Berechnungen von Sportfive ging es aber in 61 der 100 meistgesehenen Sportsendungen 2009 um Fußball.
Wadlinger Redakteur










