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Lana Del Reys Lippen, Scarlett Johansson in Dessous: "Interview" überzeugt mit oppulenten Bildern und seitenlangen Promi-Talks.
Lana Del Reys Lippen, Scarlett Johansson in Dessous: "Interview" überzeugt mit oppulenten Bildern und seitenlangen Promi-Talks.

Heft-Kritik "Interview": Hohe Promi-Dichte, reichlich Lesestoff

veröffentlicht am 27.01.2012 um 11:25 Uhr · Medien · Artikel

Heute ist sie erschienen, die erste deutsche Ausgabe von „Andy Warhol’s Interview. Die Verkäuferin im Bahnhofbuchhandel muss erst kurz suchen. Da liegt sie, zwischen den Hochglanztiteln „Tush“ und „Blonde“: großformatig, das Cover (fast) schwarz-weiß, edel anmutend. Man blättert sich zunächst durch ein Dutzend doppelseitige Mode-Anzeigen (über 70 sollen es insgesamt in der Launch-Ausgabe sein) bis zum Editorial. Darin schreibt Chefredakteur Jörg – nein: Joerg Koch über das Ziel, mit „Interview“ jeden Monat gute Laune zu bereiten und „die Welt ein wenig anders aussehen“ zu lassen. Nun dann...

Der erste redaktionelle Beitrag beginnt, 30 Seiten hinter dem Editorial, auf Seite 57. Künstlerin Monica Bonvicini fragt Gerhard Richter: „Was wolltest du werden, als du 15 Jahre alt warst?“ Die Antwort darauf (und auf weitere Fragen anderer Kollegen, Kritiker und Freunde des Malers) gibt es aber erst am 9. Februar, zu Richters 80. Geburtstag, ganz crossmedial, auf interview.de.

Zu Einstieg folgen ein paar Portrait-Häppchen (u.a. Skateboarder und Youtube-Star Kilian Martin, Nachwuchsmodel Julia Zimmer, Rapper Childish Gambino), „Smalltalk“-Interviews (zum Beispiel mit Model Elizabeth Jagger) und eine Blätter-Produkt-Rubrik namens „Wow!“. Dann, endlich: die ersten seitenlangen Interviews. Naomi Campbell spricht mit „ihrem neuen Lieblingsschneider Edward Sexton - bei der Anprobe – über Maßanzüge. Nett. Die Lebensgefährtin von Investor Wladislaw Doronin fungiert als Editor-at-Large der deutschen und russischen Ausgabe und soll die Idee gehabt haben, das Magazin zu machen.

Nach ein paar Mode- und Beautyseiten (Nagellacke, Frisuren des letzten Hairstylists von Yves Saint Laurent, Perlen) kommt schließlich das Herzstück des Magazins, „Stories“: seitenlange Interviews und Bildstrecken. Sängerin Lana Del Rey über ihr erstes Album. Ein Gespräch von Sonic-Youth-Bassist Kim Gordon mit Schauspielerin Cloë Sevigny über ihre erste echte Hauptrolle in der Serie „Hit and Miss“. Scarlett Johansson und „Huff‘-Post“-Gründerin Arianna Huffington über Partys im Weißen Haus, die Occupy-Bewegung und die Tücken von High Heels. Angelina Jolie und Clint Eastwood über Jolies erste Regiearbeit „In the Land of Blood and Honey“. Eine Kurzgeschichte von Schauspieler James Franco. Reichlich Lesestoff, unterhaltsam und zumeist leicht verdaulich. 30 Prozent stammen aus der US-Ausgabe, der Rest ist selbst produziert.

Am Ende ein Heft im Heft: Es erzählt die Geschichte von Andy Warhols Magazin-Klassiker, die vor über 40 Jahren begann, und ist gespickt mit Interviews, die Warhol selbst führte: 1978 mit Truman Capote, 1976 mit Jodie Foster, 1977 mit Michael Jackson...

Fazit: Das Magazin kommt optisch leicht chaotisch daher, die Teaser in Versalien machen es stellenweise etwas unübersichtlich. Doch die großzügigen Fotos und die hohe Promi-Dichte transportieren durchaus etwas von dem Kult des amerikanischen Originals. Lässt es die Welt anders aussehen? Nun ja, zumindest lässt eintauchen in die Welt der Reichen, Berühmten, Schönen und Kultivierten – die auch nur Menschen sind.

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