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Auf dem Weg zum MedienMBA: Der Blick über die Grenzen
Im November 2009 startete Thomas Forster, Ressortleiter Neuentwicklungen bei der W&V, einen MBA-Studiengang an der Steinbeis-Hochschule in Berlin. Zwei Jahre dauert die Weiterbildung, die ihn in dieser Zeit nach Berlin, Mailand und New York führt. Im Mittelpunkt stehen die großen Fragen der Branche: Wie lassen sich Medien-Innovationen erfolgreich um- und gewinnbringend einsetzen? Welche Digital-Konzepte und –Geschäftsmodelle gelten national wie international als „state of the art“? Wie kann der Umbau vom Verlag zum Medienhaus gelingen? Um genau diese Fragen, aber auch um persönliche Einsichten, Eindrücke und Ausblicke soll es in diesem Online-Tagebuch gehen...
Berlin, im Dezember 2011
Am Ende stießen wir mit Kaffee an. Nein, nicht mit jenem aus dem Spender, den ich zwei Jahre lang auf dem Weg in einen Seminarraum am Eingang gezapft habe. Zum großen Finale am Nikolaustag lud mich Raimund Bellinghausen, Studienleiter an der School of Management and Innovation (SMI) der Steinbeis-Hochschule Berlin, in einen kleinen Raum – sozusagen hinter die Kulissen – ein. Dort, in einer schmalen Küche, stehen zwei Maschinen samt einigen Kaffee-Spezialitäten. Denn an einem besonderen Tag darf es ein besonderes Getränk sein. Prickelndes und Blubberndes gibt es schließlich in der Startup- und Agenturszene oft genug. Am Wikingerufer zeigten wir Understatement.
Davor hatte der liebe Gott den Fleiß gesetzt. Fast eine Stunde in der Abschlussprüfung Rede und Antwort stehen. Erst die Ergebnisse der eigenen schriftlichen Arbeit präsentieren, dann auf kritische Nachfragen eingehen und schließlich – im großen Finale – alles beantworten, was den drei Prüfern in den Sinn kommt. Das kann eine ganze Menge sein: Bilanzierung, Corporate Finance, Feinheiten zu Business-Plänen, Projektmanagement, Strategisches Marketing, Markt- und Internationalisierungsstrategien, Investitionsstrategien im Venture Capital-Bereich, Change-Prozesse oder Web 2.0 – die Bandbreite aus zwei Jahren Studium hält schon einiges bereit. 45 Minuten können lang sein. Aber es blieb alles im grünen Bereich: Die Technik hielt stand, der Mac-Adapter passte an den Beamer – und auf alle Fragen fanden sich irgendwie auch mehr oder weniger passende Antworten.
Zwei Jahre SMI, das war eine intensive Zeit. Berufsbegleitend mit Präsenzen in Berlin, Mailand und New York, die Vorbereitung zuhause meist in den Abendstunden. Die Qualität der Seminare würde ich rückblickend als sehr ordentlich beschreiben. BWL, Marketing, Marktforschung und vor allem Digital Media waren reichlich vertreten. Einzelne Branchen wie Zeitungen, Buch, TV oder Musik wurden vertiefend behandelt, internationale Perspektiven über die Partner-Universitäten Bocconi (Mailand) und New York University berücksichtigt. Markterschließung und Entrepreneurship bildeten einen eigenen Schwerpunkt. Praxisreferate aus dem Holtzbrinck- und Deutsche Telekom-Kosmos oder aus der Agentur- und Startup-Szene ergänzten die Präsenzen. Mir würde spontan kein Thema einfallen, dass ich in meiner Studienzeit schmerzlich vermisst hätte.
Die Qualität der Professoren und Dozenten war durchgehend gut, mehrmals sogar sehr gut bis ausgezeichnet. Als „Ausreißer nach unten“ würde ich maximal zwei Dozenten sehen, durchaus, so räume ich ein, mit subjektivem Faktor versehen. Insofern fällt meine persönliche Berlin-Bilanz durchaus wohlwollend aus – wissend, dass ich keinen Vergleich aus erster Hand zum Beispiel mit der Hamburg Media School oder der WHU ziehen kann, die ebenfalls einen guten Ruf haben. Jedenfalls fühle ich mich auf das, was da auch immer kommen mag, gut vorbereitet. Ich würde es wieder tun.
Berlin, Franklinstraße im Oktober 2011
Die Nachricht, Steve Jobs sei gestorben, erreichte mich um 4.30 Uhr via Facebook und Twitter. Ich saß in der S-Bahn auf dem Weg zum Münchner Flughafen, Ziel Berlin, Franklinstraße, School of Management and Innovation (SMI) an der Steinbeis-Hochschule Berlin. iPhone, iPad und MacBook Air tragen seitdem Trauer.
Kein guter Start in einen Tag, der eigentlich ein ganz besonderer war: Der erste Tag der letzten Präsenz in Berlin. Dann gibt es nur noch ein Top-Date, den Tag der Verteidigung. Ach ja, Mitte 2012 werfen wir noch die schwarzen Hüte in die Luft, bei der feierlichen Verabschiedung. Endspurt also im zweijährigen MBA-Programm Media Management, einem Studium mit internationaler Ausrichtung.
Die beiden letzten Präsenzen standen im Zeichen der Juristerei, des Leadership, der Musik-, Radio- und Entertainmentbranche. Wirtschaftsanwalt Prof. Thorsten Stark, Medienanwalt und Ex-Sony Music-Manager Eberhard Kromer (Partner bei SKW Schwarz) sowie Benedikt von Walter, bis vor kurzem Senior Manager Strategy bei MTV Networks, leiteten die Seminare. Wie immer vier Tage lang, von Donnerstag bis einschließlich Sonntag.
Einer der Schwerpunkte war der Unternehmenskauf aus rechtlicher Sicht von Prof. Stark, ein Geschäft in allen möglichen Facetten: Letter of Intent, Due Diligence, Closing, Post Merger Integration. Eine wahre Schlangengrube mit allem, was so schiefgehen kann. Wo verschwiegen und geblufft wird. Wo Fristen und Haftung Existenzen vernichten (können). Das alles müssen jene Spezialisten im Hinterkopf haben, die mit Commercial-, Financial-, Tax-, Legal-, HR- und sonstigen Kompetenzen versehen jenen streng gehüteten Raum betreten, der meterweise Brisantes enthält. Denn böse Überraschungen kann es bei M&As viele geben. Schon früh werden die Weichen gestellt: Es macht zum Beispiel einen großen Unterschied, ob man sich für einen Asset-Deal oder einen Share-Deal entscheidet.
Unsere „Class MBA01“ jedenfalls kam in dieser Form wohl ein letztes Mal zusammen, bevor wir Teil des Alumni-Networks der Business School werden: Isabelle von SevenOne International, Jan von Axel Springer, Jillian von der Internet-Firma Mister Spex, Energy Drink-Expertin Helen, Peter von Sony, Sophia (Unicepta Medienanalyse), Daniel (Digital Emotions) und meine Wenigkeit von der W&V. Meine schriftliche Abschlussarbeit hat übrigens bereits den Weg nach Stuttgart gefunden, zur Holtzbrinck-Holding, wo mein Betreuer sitzt. Wir werden sehen, mit welchem Ergebnis.
Berlin, Harnack-Haus
Ja, so kam denn an einem sonnigen Morgen im Harnack-Haus, Berlin, die Stunde der Wahrheit. An jenem Ort, der Wissenschafts- und Forschungsgeschichte schrieb und ganz wesentlich zum Mythos der Wissenschaftskolonie Dahlem beitrug: Seit 1929 treffen sich hier Politiker, Spitzen der Wirtschaft, Nobelpreisträger und ihre Schüler zum geselligen Austausch, zu Vorträgen und zur Diskussion. Die Gäste- und Vortragslisten aus den frühen Tagen lesen sich wie ein „Who is Who“: Albert Einstein, Werner Heisenberg, Fritz Haber, Otto Hahn, Lise Meitner, Max Planck, Ricarda Huch. Nun ja, und heute – mehr als 80 Jahre nach der Eröffnung – wir, die Studenten der Steinbeis-Hochschule aus den Fachbereichen Media Management, Marketing, General Management, Sales und Finanzen.
Wir haben zwar nicht Geschichte geschrieben. Aber zumindest hatte jeder eine Geschichte dabei. Eine Geschichte in Form eines selbst entwickelten Business-Plans.
Jeder angehende MBAler präsentierte vor versammeltem Plenum – und unter dem strengen Blick von Professor Werner Seebacher – seinen Business-Plan, den er oder sie in wochenlanger Vorarbeit erstellt und nach einem ersten Korrekturlauf angepasst, verworfen oder zumindest überarbeitet hat. Das, was in der Theorie zum Finanz- und Rechnungswesen besprochen und in einer mehrstündigen Klausur abgefragt worden war, galt es jetzt in die Praxis umzusetzen. Es war eine weitere Runde im Fach „Accounting“, das in keinem MBA-Studiengang fehlen darf. Auch, wenn die Tücke dabei im Detail liegt.
Ich will nicht zu viel verraten, vielleicht nur das: Die Kollegen hatten spannende Geschäftsideen, die sie sehr durchdacht umsetzen wollten, vom High-End-Restaurant und Landgut über Personaldienstleistungen in einem bestimmten Segment bis hin zum Kundenclub für E-Books. Wobei natürlich die Finanzen dieses Mal im Vordergrund standen, weniger die Geschäftsidee als solche. Bei meinem Business-Plan ging es zum Beispiel um einen Content-Aggregator. Ein Internet-Start-up im Medienbereich, mit Erfolgsplan, Finanzplan und Planbilanz durchkalkuliert.
Neben Professor Seebacher stand Professor Bernd Rudolph auf dem Stundenplan, einigen Betriebswirten sicher wegen seiner langjährigen Tätigkeit an der Ludwig-Maximilians-Universität München ein Begriff. Sein Thema: „Principles of Corporate Finance“. Dabei spielten die Unternehmensfinanzierung eine Rolle – etwa die Finanzierung mit Beteiligungskapital –, Fremdfinanzierungsalternativen, die Risikoanalyse sowie Verbriefungsstrukturen und Kreditrisikotransfer.
Hardcore-Stoff also, vier Tage lang. Aber eben auch wahnsinnig wichtig.
New York, im Frühjahr
New York, Nuuuuhuuu Yoooork! Eine pulsierende Acht-Millionen-Metropole, eine geschäftige 5th Avenue, ein touristenumspülter Times Square, ein übervoller Lifestyle-Bunker Abercrombie & Fitch - und mittendrin wir, die Männer-WG, wohnhaft in Harlem. Von dort aus ging's jeden Morgen mit der Metro zum Washington Square Park, genauer gesagt: schräg gegenüber zur Stern Business School der New York University (NYU). Na ja, ein Abstecher zu Starbucks war zeitlich schon noch drin. New York, das war der zweite Auslandsaufenthalt nach Mailand und der dortigen SDA Bocconi. Eine Woche International Media intensiv.
Vormittags Vorlesung, nachmittags Site Visits bei Internet- und Medienunternehmen, PR-Networks, Sendern und Start-ups: So war das "Strategic Media and Marketing Executive Program" von NYU und der School of Management and Innovation (SMI) an der Steinbeis-Hochschule Berlin aufgebaut. Praxis-Termine fanden zum Beispiel bei der Verlagsgruppe Meredith statt, bei dem Wirtschafts- und Finanzspezialisten Bloomberg, dem Lokalsender NY 1 (a Time Warner Company) und bei Edelman PR. Hinzu kamen Treffen mit Managern von Google und ESPN, dem Sport-Channel von Disney.
Neben den fachlichen Einblicken in Themen wie "Brand Strategy", "TV Research and Planning", "New Media and Social Activities" oder "Global Media and Entertainment" waren vor allem die Dozenten als Personen sehr interessant, weil deren Vita spannend ist: Jamyn Edis etwa, der in Cambridge studiert und seinen MBA in Harvard gemacht hat und nach Stationen für Accenture in London und New York nun als Vice President Emerging Technology R&D bei HBO verantwortlich zeichnet. Nix Sex and the City, eher britisch korrekt gekleidet, hohes Tempo und immer ein passendes Chart zur Hand... Oder Scott Galloway, zuvor an der University of California, ein Entrepreneur mit Erfahrung bei Eddie Bauer und The New York Times Company. Und, nicht zuletzt, Professor Al Lieberman, Altmeister der internationalen Medienszene seit vielen Jahrzehnten, mit Stationen bei Young & Rubicam, Simon & Schuster und Grey.
Übrigens, unser Quartier in Harlem kann ich nur empfehlen. Und das nicht nur, weil Vermieter Mike Cooper Werber ist...
Forster Redakteur










