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Stephan Koziol: Odenwälder Glücksbringer

Stephan Koziol: Odenwälder Glücksbringer

veröffentlicht am 03.09.2010 um 15:46 Uhr · Köpfe · Artikel

Der iPod von Apple klingt wie „Ei-Pott“. Witzig. Stephan Koziol hat deshalb einen Eierbecher aus Plastik auf den Markt gebracht, der der Form des iPods nachempfunden ist. Apple fand das nicht witzig und erwirkte durch das Oberlandesgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung. Verkauft Koziol weiterhin seinen Ei-Pott, muss er 250 000 Euro Strafe zahlen. Koziol will den Fall nun vor Gericht klären lassen.

Der Kopf des Familienunternehmens Koziol ist ein Künstler, im doppelten Sinn des Worts. Nicht nur, dass Stephan Koziol die Kunst beherrscht, sich mit seiner mittelständischen Firma erfolgreich am Markt zu behaupten, obwohl die eigenen Produktideen immer wieder von Konzernen wie Ikea und Tchibo kopiert werden.

Der Mann aus dem Odenwald hat darüber hinaus eine artistische Ader. Sein Traum ist es, Bildhauer zu werden, dreidimensional zu gestalten – wenn er sich einst aus der Firma zurückziehen wird, die sein Vater Bernhard vor 83 Jahren als Elfenbeinwerkstatt gegründet hat. Die heute Design-Objekte aus Kunststoff herstellt und sich als „Glücksfabrik“ präsentiert.Bis zur Rente kann es aber noch eine ganze Weile dauern. Denn Stephan Koziol liebt seine Arbeit. Glück, sagt der 58-jährige Gestalter, das seien Gesundheit und eine tolle Arbeit, in der er kreativ sein und Ideen verwirklichen könne.

Seine Kreativität war schon damals unübersehbar, als er im zarten Alter von 20 Jahren die Exklusiv-Vertretung für Windsurfing-Boards in Deutschland übernommen hatte. 1972 war das Windsurfen hierzulande unbekannt. Koziol importierte die Segelbretter aus den USA und tingelte als Vertreter mit seinem Opel Commodore GS weithin sichtbar durchs Land. Er hatte den gelben 130-PS-Boliden mit schwarz-roten Karos optisch aufgemotzt.

Auch der Ford Capri, der Opel Manta, der BMW 2002 und der Citroën 2CV, die zuvor in Koziols Besitz gewesen waren, wurden unter den Händen des Odenwälders zu unverwechselbaren Designer-Stücken, sei es durch Zebra-Muster oder fließende Uhren à la Salvador Dalí – quasi Kunst­objekte im öffentlichen Raum.

Stephan Koziol ist katholisch getauft und im Jesuitenkolleg erzogen worden. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Seine Firma lebt zwar von himmlisch verrückten Ideen, aber sie ist bodenständig mit kräftigen Wurzeln – ein Familienbetrieb eben. Erst vor wenigen Tagen hat Koziol einen Mitarbeiter in den Ruhestand verabschiedet, der 48 Jahre im Unternehmen gewesen war, fast ein halbes Jahrhundert lang.

Seit jeher wird jedes Produkt von Koziol unter ökologischen, ökonomischen und sozial nachhaltigen Aspekten nur in Deutschland hergestellt. Das Markenzeichen der Firma ist ein Reh. Es ist sympathisch, macht niemandem Angst und verhält sich seiner Umwelt gegenüber positiv, erklärt Stephan Koziol die Wirkung dieses alten Symbols aus der Elfenbeinschnitzerzeit. Es wirkt einfach glücklich, dieses Reh.

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