Steffi Jones: Ich bin’s, die Steffi“
Eine Frau wie Steffi Jones macht nicht viel Aufhebens. Bei der Verleihung des Deutschen PR-Preises im Wiesbadener Kurhaus lacht sie viel, schüttelt routiniert Hände und begrüßt mit den Worten: "Ich bin die Steffi." Sie kennt das Rampenlicht, seit sie dieses Jahr als Präsidentin des Organisationskomitees die Frauenfußball-WM in Deutschland mitgestaltet hat. Es gibt nicht viele, die ein PR-Branchenpreis trotzdem zu Tränen rührt.
Steffi Jones darf den Preis als "Kommunikator des Jahres" entgegennehmen, eine Auszeichnung, die vor ihr Joachim Gauck oder Kardinal Lehmann bekommen haben. Die Deutsche Public Relations Gesellschaft (DPRG) zeichnet die 38-jährige Ex-Nationalspielerin als "Sprachrohr des deutschen Frauenfußballs" aus. Jones hat geholfen, die WM nach Deutschland zu holen, und war während der drei Wochen im Juli im Dauereinsatz. Dank ihrer Pressekonferenzen, Fernsehinterviews und Werbetouren sei es gelungen, den Sport zu etablieren und ihm gesellschaftliche Relevanz zu verleihen, sagt die DPRG.
Das kann man sehen, wie man will. Fest steht: Bei der Gala anlässlich der Preisverleihung schafft es Steffi Jones binnen Minuten, die Leute im Saal von sich zu begeistern. Vor ihr war VW-Chef Martin Winterkorn dran, der viel von Substanz, Glaubwürdigkeit und seinem aktuellen YouTube-Video gesprochen hat. Steffi Jones redet lieber von sich. Sie erzählt Anekdoten, ohne sie groß vorbereitet zu haben: Dass sich ihre Mutter lieber ein "Lackschuhmädchen" gewünscht habe zum Beispiel, oder wie sie sich als Mädchen im Jungenfußball durchboxen musste und später zur Chefin der Mannschaft wurde. Sie kann das auf eine Art tun, die sie nicht nur sympathisch macht, sondern glaubwürdig. Auch bei Leuten, die ihren Namen noch nie gehört haben - und davon sitzen an diesem Abend einige im Saal.
Bis 2007 hat Steffi Jones noch selber in der Bundesliga gespielt. Vor der WM in Deutschland hat sie die Presse oft als "weiblichen Franz Beckenbauer" bezeichnet. Wie der Kaiser durfte sie als Mit-Organisatorin der Frauen-Weltmeisterschaft durch die halbe Welt reisen, um für das Sportfest zu werben. Solche Vergleiche hört man bei ihrem Arbeitgeber, dem DFB, bis heute nicht gern, denn der Frauen-Fußball soll nicht mit dem Männer-Sport konkurrieren. Gerade Jones aber hat viel zur Emanzipation beigetragen, sie engagiert sich in der Jugendarbeit und im Schulfußball. Medien wie die FAZ schreiben fleißig Porträts über die Tochter eines US-Soldaten und einer Deutschen.
Steffi Jones signiert noch einen Ball, bevor sie die Gala in Wiesbaden verlässt. Vielleicht stimmt das ja mit der "Menschenfischerin", als die sie andere gerne bezeichnen. Vielleicht steckt dahinter auch einfach ein ausgeklügeltes PR-Konzept - denn Jones vergisst an diesem Abend auf der Bühne nicht, ihren PR-Leuten ausführlich zu danken.
Strasser Redakteur







