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Stefan Calivers
Stefan Calivers

Stefan Calivers: Maskerade des Lokalen

veröffentlicht am 19.08.2010 um 12:25 Uhr · Köpfe · Artikel

Der „Willisauer Bote“ ist eine zweimal wöchentlich erscheinende Schweizer Lokalzeitung im Kanton Luzern. Als Serie erstellte die Redaktion in diesem Juli und August sechs Ausgaben als Parodien von auf-lagenstarken nationalen Printtiteln. Darunter etwa die Frauenzeitschrift „Annabelle“ und die Boulevardzeitung „Blick“. Das Layout und der Schreibstil wurden dabei stark an die „Vorbilder“ angelehnt, der Inhalt blieb aber lokal.

Heimat und Tradition sind nicht nur Worte für Stefan Calivers. Es ist der Kosmos des 48-jährigen Chefredakteurs des Willisauer Botens. Das merkt sein Zuhörer spätestens, wenn er von seinem Fastnacht-Engagement als Zunft-Präsident schwärmt. Denn das Schweizer Städtchen Willisau liegt im Kanton Luzern, einer Hochburg des Faschings. Maskiert ist Calivers jedes Jahr mit der traditionellen Kleidung der Region: eine Spielkarte aus dem jahrhundertealten Karnöffelspiel. So ist er zur närrischen Zeit nicht Stefan Callivers, sondern „ein Schellen-Unter“.

Ebenfalls verkleidet hat Calivers gemeinsam mit Redakteuren und Layoutern in diesem Sommer auch seine Lokalzeitung. Insgesamt sechs Ausgaben erschienen nicht als Willisauer Bote, sondern als „Annabella“ , „Bleck“ oder „Schweizer Simulierte“. Orientiert an den auflagenstarken Schweizer Printprodukten. Die Parodie auf die bekannten Titel sollte den Lesern eine Abwechslung im Sommerloch bieten.

Die Reaktionen waren positiv. Einen „Lieblingstitel“ der Leser gab es dabei nicht. Das sei je nach persönlichem Gusto gewesen. „Bei den Frauen war es natürlich die Annabella“, lacht Calivers. Da auch andere Medien auf die Sommer-Serie aufmerksam wurden, sei es „ungewohnt turbulent“ geworden.

Insofern sei es keine schlechte Werbung für die Zeitung gewesen, so sieht es Calivers. Aber auch Irritationen hat die Aktion mit sich gebracht. Viele Leser vermissten ihren „Böttu“, wie der Bote kurz genannt wird, weil sie ihn nicht erkannten. Und beim Stadtkiosk wurde die Zeitung ohne Bezahlung einfach mitgenommen - als sie im Design der Gratispublikation 20 Minuten erschien. Aufgefüllt war der „Böttu“ in neuem Look mit Altbewährtem. „Wir haben die Inhalte auf die lokale Ebene hinuntergebrochen“, erklärt Calivers. Das Lokale liegt ihm am Herzen, ist er doch schon in dieser Gegend geboren. Dem Willisauer Boten ist Stefan Calivers seit 20 Jahren treu. Seit einem Jahr ist er - wie es in der Schweiz heißt - Chefredaktor.

Journalist, das wollte er schon immer werden. Bereits als Schüler hat Stefan Calivers lokale Fußballberichte für den Boten geschrieben. Der Sport mit dem runden Leder ist nach wie vor eine große Leidenschaft von ihm. In diesem Punkt ist er allerdings seiner Heimat nicht immer ganz treu. Er ist unter anderem ein großer Bewunderer des brasilianischen Fußballs.

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