Melanie Fuest: Der Kühler in Neopren
Im heißen Australien ist der Stubby Cooler in jedem Haushalt und in jeder Kneipe zu finden: Der Überzug aus Neopren kühlt Bierflasche und Getränkedose und ist als Souvenir oder Werbeartikel sehr beliebt. Melanie Fuest führt das Accessoire nun auf dem deutschen Markt ein. Unter ihrer Website Coolershop.de können Kunden die verschiedensten Formen bestellen und gleich mit ihrem Werbeaufdruck versehen lassen.
Dieser Aufenthalt prägt sie bis heute. Mit 19 Jahren brach Melanie Fuest auf, um in Australien einige Monate als Au-pair zu verbringen. Doch ihre Gasteltern, die selbst viel in der Welt herumgekommen waren, schickten sie bald wieder fort: Wichtiger, als auf ihre Kinder aufzupassen, sei es, durch das Land zu reisen. Und so plünderte Melanie die Sparbücher, die sie zur Konfirmation bekommen hatte, und durchquerte monatelang den australischen Kontinent.
Damals, 1995, hatte Melanie Fuest auch ihre erste Begenung mit dem Stubby Cooler, jenem Kultgegenstand aus Neopren, der in Down Under so selbstverständlich ist wie der Hausschlüssel: Er hält in der Hitze das Bier kühl. Zum zweiten Mal wurde sie mit dem dort so lebensnotwendigen Accessoire zwölf Jahre später konfrontiert: 2007, als sie erneut Australien bereiste.
Fuest hatte zwischenzeitlich ihr Studium (internationales Management) abgeschlossen und arbeitete bei Paneuropa-Reisen. Da geriet der Mutterkonzern Arcandor aufgrund der Wirtschaftskrise ins Trudeln. Sie verlor ihren Job. Doch die Düsseldorferin sah es positiv: Es gab eine ansehnliche Abfindung, die als finanzielle Grundlage für die zweite Australienreise dienen konnte. Als sie Monate später nach Deutschland zurückkehrte, nahm sie einen der Stubby Cooler mit nach Hause und stellte ihn auf den Schreibtisch. Nicht um Getränke zu kühlen - es war Winter -, sondern als Stiftehalter. Und irgendwann, während sie darüber nachgrübelte, wie sie sich selbstständig machen könnte, kam ihr die Idee, das australische Neopren-Teil in Deutschland in verschiedensten Formen auf den Markt zu bringen: als Werbeartikel.
Inzwischen bietet die 34-Jährige tatsächlich ein ganzes Portfolio aus Neopren an: für Wasserflaschen, Bierdosen, Sektpullen, sogar ganze Partyfässer. Sie konnte inzwischen Kunden wie Mitsubishi oder Nadler-Feinkost gewinnen. "Die Getränkeindustrie", wundert sich Fuest, "zeigt sich dagegen merkwürdig zurückhaltend."
Weitere Reisepläne hat Melanie Fuest vorerst vertagt: zu viel Arbeit. Mehr als ein verlängertes Wochenende im Bayerischen Wald mit ihrem Freund ist momentan nicht drin. Für tägliche Ausflüge sorgt Bari, ihr erst fünf Monate alter Hundemischling. "Wenn man Stress hat, ist das Einzige, was hilft: einfach mal Abstand haben." Dabei muss es nicht Australien sein. Es genügt schon ein kleiner Spaziergang um den eigenen Häuserblock.
van Rinsum Redakteur








