Knut Engelmann: Guter Content wird bezahlt
Der Chefredakteur von Wallstreetjournal.de, Knut Engelmann, hatte am Dienstagmorgen einige Interview-Termine. Doch wie bei jedem Launch zickte die Website von Zeit zu Zeit. Das und zusätzliche Anfragen verzögerten den Terminplan mit dem deutschen Frontmann des News-Corp-Objekts. Der Start sorgt für großes Aufsehen und Nervosität unter den Printverlagen, denn die bekannte Medienmarke Wall Street Journal könnte die Hackordnung der etablierten Wirtschaftsberichterstatter wie Financial Times Deutschland, Handelsblatt, FAZ und Süddeutsche Zeitung - insbesondere im Netz - durcheinanderwirbeln. Selbst der Boulevard-Site Bild.de war der Start des digitalen deutschsprachigen Ablegers eine große Meldung wert.
Engelmann leitet zwar erstmals den Launch einer Nachrichten-Website, aber der Volkswirt (New York University und University College London) hat internationale Erfahrungen im Medien-Business. Zuvor war der 43-Jährige insgesamt 16 Jahre für den Medienkonzern Thomson Reuters tätig, zuletzt von New York aus als Wall Street Editor und Global Company News Editor.
Seine Laufbahn begann Engelmann 1994 bei Bloomberg, zuvor hatte er ein Volontariat bei der Westdeutschen Zeitung absolviert. "Ich wollte schon als Jugendlicher Journalist werden", sagt er. Das Studium war eher Mittel zum Zweck. Bereits durch sein Studium hatte er eine internationale Perspektive, die sich durch seine Arbeit in den USA noch verstärkte. Auch seine Frau ist Amerikanerin, die Kinder haben zwei Pässe.
Der Blick über den Tellerrand prädestiniert ihn auch für den Launch von WSJ.de. "Wir stoßen hier mit unserem Netzwerk in eine klare Marktlücke." Mit dem weltweiten Verbund von Dow Jones und Wall Street Journal mit seinen über 2000 Journalisten könne kein anderes Medium hierzulande mithalten. Auch in Sachen Finanzierung will der Neuling eine Vorreiterrolle spielen. Der Auftritt erlöst Umsätze über Werbung und ein Pay-Modell. "Ich glaube fest daran, dass Nutzer für guten Content bezahlen werden", sagt Engelmann. Wallstreetjournal.de helfe, diesen Prozess in Deutschland voranzutreiben. Ob künftig mehr Einnahmen aus Werbung oder Paid-Modellen erzielt werden, lässt Engelmann aber genauso offen wie den Zeitpunkt, ab wann der Auftritt Gewinne erzielen soll.
Engelmann lebt die digitale Medienrevolution selbst vor. "Ich nutze für die Informationsbeschaffung hauptsächlich das Internet über den PC, aber immer mehr auch das Tablet", sagt er. Deshalb hat der Chefredakteur zum Start auch auf Apps für Smartphones und Tablets bestanden. Und Social Media? Keine Frage. "Natürlich twittere ich als Chefredakteur einer digitalen Publikation auch zunehmend. Ohne die sozialen Netzwerke geht es heute nicht mehr." Auch das hat er in den USA gelernt.
Städele Redakteur







