Klaus Driever: Ein Appel gegen Apple
Ein bisschen ist es so wie ein Kreis, der sich schließt. Klaus Driever, seit 1998 bei der der Verlagsgruppe Weltbild, war schon Digital-Manager, als eine Hoffnung namens eReader platzte. Nach ProSieben, wo er als Chefredakteur die Digital-Redaktion führte, saß er bereits in Augsburg und leitete die Bereiche E-Commerce und New Media. Das Ende kam im Mai 2003. Die US-Firma Gemstar eBook gab Deutschland auf, das Büro schloss zum 31. Juli 2003. Tolle Technik, keine Leser, urteilte die Presse, trotz eines viel beachteten Starts zur Buchmesse 2000. Das Verlags-Establishment sah sich bestätigt. Digital, so der Tenor jener Tage, das kann ja nichts werden. Auch Driever war skeptisch: "Wir bezweifeln, dass sich eine spezielle Hardware durchsetzen wird", so der Manager in W&V. Dann kamen Apple und Amazon. Der Rest ist Geschichte.
Elf Jahre später dient Driever die Buchmesse als Rahmen. Der studierte Politologe und Aufsichtsrat des katholischen Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) hat inzwischen Karriere bei den Bibel-Verlegern gemacht. Dort steht Carel Halff an der Spitze, der bekannt ist für seinen Instinkt – und sein Gespür für den richtigen Zeitpunkt. Driever hat bei Halff, den er einmal ein Vorbild nannte, gelernt. Die Hände in den Hosentaschen, neben sich Nina Hugendubel, geschäftsführende Gesellschafterin der gleichnamigen Kette, so stellten beide den eBook Reader 3.0 zur Buchmesse 2011 vor. Mit der Weltbild-Hugendubel-Initiative soll Bewegung in den Markt kommen. "eReader und eBooks sind in der Breite der Bevölkerung angekommen", sagt Driever und markiert einen Unterschied zur Pleite der Jahrtausendwende. "Seit Frühsommer steigt bei uns die Nachfrage deutlich." So innovativ das Gerät als solches ist, so konservativ ist die Vermarktung – typisch für die Augsburger Abverkaufsmaschinerie: Masse und niedriger Preis, mögen sich andere noch so sehr echauffieren. Drievers Reader kostet 59,99, Sonys Lesegerät kommt auf über 100 Euro.
Um zu punkten, hat Hobbyfußballer Driever einen kessen Doppelpass erdacht. Erstmals in Deutschland brachte mit Sebastian Fitzek ein bekannter Thriller-Autor sein neuestes Werk als limitierte eBook-Edition heraus. Auf dem eBook Reader 3.0 war der Roman "Der Augenjäger" vorinstalliert. "Unglaublich, die Fan-Gemeinde war schneller als unsere Werbung", zieht Driever Bilanz. "Unser Bundle mit Buch und eReader war 72 Stunden nach Verkaufsstart vergriffen." Nun folgt der nächste Streich. Hugendubel und Weltbild bringen einen Tablet-PC heraus: kabellos surfen, eBooks lesen, spielen, mailen und per Video telefonieren, 159,99 Euro. Driever mit einem Augenzwinkern: „Unser Tablet ist das erste, das für ’n Appel und ’n Ei erhältlich ist.“
Forster Redakteur







