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Johannes B. Kerner: Ein Abgang mit Ansage

Johannes B. Kerner: Ein Abgang mit Ansage

veröffentlicht am 21.10.2011 um 11:42 Uhr · Köpfe · Artikel

Wenn er so dasitzt, am Schreibtisch, die Ellbogen anwinkelt, die Handinnenflächen schützend in Abwehrstellung gebracht, und aus ihm Sätze purzeln wie: "Es gibt Leute, die sagen über Sie … das ist ja nicht, was ich denke … ich frage ja nur", dann kann Kerner keiner böse sein. Und er ist fein raus, hat er doch seinem Talkgast die heikle Frage gestellt. Der Gast kann ihm die Frage kaum übel nehmen, schließlich ist sie so nett mit einem Schleifchen verpackt, dass eine Antwort hinfällig wird. Es ist ja auch keinesfalls das, was Kerner denkt oder fragen will.

In den Augen seiner Kritiker macht ihn allein diese Art der Gesprächsführung aalglatt, weich gespült, zumindest langweilig. In den Augen seines Publikums kommt er hingegen smart rüber, locker, einer für das relaxte Abendprogramm. Und das ist es schließlich, was zählt im Fernsehen: ein positives Image, ein massenkompatibler Moderator und Quotengarant.

Doch mit den Quoten war es seit seinem Wechsel 2009 vom ZDF zurück zu Sat.1 nicht mehr so gut bestellt. Sat.1 hatte sich vom Kerner-Comeback sicher mehr versprochen. Und jetzt hat es sich offenbar ausgetalkt: "Kerner steigt bei ‚Kerner‘ aus", schlagzeilte "Bild" am vergangenen Dienstag. So genau lässt sich nicht sagen, ob der smarte Herr Kerner Sat.1 vor vollendete Tatsachen gestellt hat. Oder ob es nicht vielmehr der Sender war, der einen Schlussstrich ziehen wollte. Egal, welche Version die richtige ist: In der öffentlichen Wahrnehmung ist JBK wieder – genau – fein raus. Schließlich hatte er vor Wochen vorgebeugt und verbreitet, er wisse nicht, ob seine Sendung noch zu ihm passe. Und auch als er zuletzt die einstige Zielvorgabe von zehn Prozent Marktanteil übertraf, sagte er, dass sein Urteil im Zweifelsfall härter ausfalle als das der Zuschauer.

Ein Gschmäckle hat die ganze Aktion. Sie verrät viel darüber, was in der Branche über den Vater von vier Kindern kolportiert wird: Er kreise um sich selbst, suche Bestätigung jedweder Art – und reagiere bisweilen aufbrausend, sollte dem einmal nicht so sein. Es werden Erinnerungen wach an Kerners Abgang beim ZDF. Damals hatte er dem "Spiegel" gesagt, er habe zwar immer akzeptiert, dass das ZDF "auf dem Fahrersitz" sitze, habe sich selbst aber vielleicht nicht mal auf der Rückbank gesehen, sondern eher "auf der Hutablage". Auf diese Weise hatte er erfolgreich den Eindruck vermittelt, dass der Senderwechsel seine Entscheidung war – und nicht durch das ZDF forciert wurde, das damals über Kerners Aktivitäten als Air-Berlin-Testimonial wenig amüsiert war.

Kerner soll Sat.1 vorerst erhalten bleiben – unter anderem bei den Champions-League-Spielen. Die werden ab 2012 vom ZDF übertragen. Vielleicht ist dann ja wieder ein Platz auf der Rückbank frei.

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