Horst Wagner: Analytischer Familienmensch
Nein, eine Karriere als Schauspieler wäre wohl nicht drin gewesen. Das zeigt sich im Image-Film Happy Birthday Pixelpark, in dem Agenturvorstand Horst Wagner mit Gründer Paulus Neef zum 20. Geburtstag von Pixelpark auftritt. Für den Knapp-30-Sekünder mit dem Abschlusssatz "Ja, schon 20 Jahre Paulus" gab es dem Vernehmen nach etliche Versuche. Er zeigt allerdings den Humor und die "Risikobereitschaft" Wagners.
Viele Branchenvertreter hielten es auch für ein enormes Risiko, als Wagner 2008 den Aufsichtsrat davon überzeugte, die hoch verschuldete Internet-Agentur Pixelpark weiterzuführen. Die Pleite war damals sehr nahe - falsche Entscheidungen unter Vorgänger Michael Riese hatten die Agentur an den Abgrund gebracht. Nach der erfolgreichen Restrukturierung und dem jetzt erfolgten Übernahmeangebot durch das Agenturnetzwerk Publicis dürfte Wagner und seinen Vorstandskompagnon Dirk Kedrowitsch enorm stolz machen. Trotz aufkommender Wirtschaftskrise hat Wagner die Überlebensfähigkeit realistisch eingeschätzt.
Die beiden Hamburger sind schon einen langen Weg miteinander gegangen - 20 Jahre, um genau zu sein. Im Jahr 1992 hat Horst Wagner, damals als geschäftsführender Gesellschafter, Kedrowitsch zu sich ins Team bei Springer & Jacoby geholt. Nach der Gründung Elephant Seven im Jahr 1996 wechselten beide zu der Digitalagentur und bilden heute noch ein Team. "Wenn Horst in den Tiefbau gehen würde, würde ich mitgehen", sagt Kedrowitsch. Er schätzt wie viele andere Führungskräfte der Agentur an Wagner dessen Verlässlichkeit und Loyalität. Das zeigt auch die geringe Fluktuation - und das im Boommarkt Internet.
In der Branche gilt Wagner als zielstrebig und ehrgeizig. Zudem hat er einen langen Atem, wie seine Karriere belegt. Trotzdem ist sein Werdegang erstaunlich: Schließlich studierte Wagner Betriebswirtschaftslehre mit Fachrichtung Druck, was eher auf eine Print- als eine digitale Zukunft schließen ließ. Für einen Kreativen ist der Dreitagebartträger eher nüchtern und analytisch. Den kreativen Part überlässt er häufig seinem Weggefährten Kedrowitsch. Wagner hat auch die Öffentlichkeit zuletzt seinem Partner überlassen, was aber zum Großteil an Kedrowitschs Rolle als damaliger Vizepräsident des Bundesverbands Digitale Wirtschaft lag. Trotzdem zog er als Vorstandsvorsitzender und Finanzverantwortlicher die Fäden im Hintergrund.
Privat zeigt sich Wagner fürsorglich: Neben seinem eigenen Sohn hat er zusammen mit seiner Frau sechs Kinder adoptiert. In der Freizeit macht Wagner fast täglich Fitness oder fährt mit seinem Motorboot auf der Elbe, manchmal bis in die Nordsee.
Städele Redakteur







