Gerd Kehrberg: Die Lizenz zum Tröten
Im Jahr 2007 wurde Gerd Kehrberg auf die südafrikanische Erfindung Vuvuzela aufmerksam und gründete mit seinem Freund Frank Urbas die Urbas Kehrberg GmbH, um mit der derzeit heißdiskutierten und nicht bei jedermann beliebten Tröte in Deutschland ein Geschäft zu machen. Urbas und Kehrberg erwarben von dem südafrikanischen Unternehmen Massincedane Sport die Lizenz für 27 europäische Länder.
Nelson Mandela ist an allem schuld. Hätte Gerd Kehrberg den Friedensnobelpreisträger nicht im Dezember 2006, als Südafrika die Fußball-WM 2010 zugesprochen bekam, hunderte von Vuvuzelas zur Verkündung nach Zürich mitnehmen sehen, wäre die Plastiktröte vielleicht nicht so gewaltig über Deutschland hereingebrochen. Doch Kehrberg sah die Szene – "und da war mir klar, dass das etwas werden könnte", erzählt der Diplom-Betriebswirt. Im Herbst 2007 packte er das "Projekt Vuvuzela" an und holte dafür seinen alten Freund Frank Urbas mit an Bord, einen Vertriebsspezialisten.
Den richtigen Riecher bewies Kehrberg wohl auch, da er aus der Fußball-Szene stammt. In jüngeren Jahren spielte er aktiv bei Borussia Mönchengladbach ("Hier durfte ich sogar mit Lothar Matthäus trainieren"). Später wechselte er auf die Business-Seite der Bundesliga: Ende der Neunzigerjahre arbeitete Kehrberg als Manager für Alemannia Aachen, von 2007 bis 2009 war er Geschäftsführer bei Rotweiß Oberhausen. "Da bekommt man einfach mit, was funktioniert", fasst Kehrberg zusammen. Das Know-how in Sachen Verkaufe holte er sich in der Zeit dazwischen: Von 2000 bis 2007 arbeitete er in der Dürener Sportmarketingagentur Amedia.
Dass seine Tröte mittlerweile nicht nur viel genutzt, sondern auch viel gehasst wird, kann Kehrberg sogar nachvollziehen: "Als wir damals zum ersten Mal das Originalprodukt aus Südafrika gehört haben, dachten wir auch: Oh je, das ist zu laut", erinnert er sich. Die Variante der Urbas Kehrberg GmbH ist zwar immer noch ohrenbetäubend, aber gedämpft – in Zusammenarbeit mit dem TÜV wurde der Sound nach den Arbeitsschutz-Richtlinien etwas heruntergeregelt. Mit dieser Maßnahme konnten Kehrberg und sein Kompagnon Urbas einen weiteren Coup erzielen: Sie verkauften ihre dreiteilige, schallgedämpfte Vuvuzela-Version an ihren ursprünglichen Lizenzgeber zurück, das Kapstädter Unternehmen Massincedane Sport.
Nachdem in Deutschland und wohl auch in den weiteren 26 Ländern, für die sie die Lizenz halten, die Tröten-Vollversorgung so gut wie erreicht ist, wendet sich Kehrberg bereits dem nächsten Projekt zu. Zusammen mit Urbas und dem Designer Dirk Hagen Zimmermann, der auch die Vuvuzela getunt hat, will er ein neues Unternehmen gründen, das weitere Produkte herausbringen soll. Vielleicht sind diese ja dann etwas leiser.
Pauker Redakteur








