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Florian Meimberg
Florian Meimberg

Florian Meimberg: E. A. Poe im Twitter-Format

veröffentlicht am 15.07.2010 um 09:16 Uhr · Köpfe · Artikel

Die "Tiny Tales" packen in 140 Zeichen, was zu einer guten Kurzgeschichte gehört: eine Erzähldramaturgie, die die Spannung möglichst bis zum letzten Wort aufrecht erhält. Die Themen sind sarkastisch bis romantisch. Die Jury des Grimme Online Awards war begeistert: „Dass die Zeichenlimitierung auch inspirierend sein kann, beweist Florian Meimberg mit seinen Kurzgeschichten.“

Mit dem Kopf ist er schon längst bei seiner nächsten Arbeit, einem Musikvideo für den Stuttgarter Nachwuchskünstler Philipp Poisel, als Florian Meimberg der Rummel um den Gewinn des Grimme Online Awards einholt. In der Kategorie Spezial hat ihn die Jury soeben für seinen Twitter-Dienst "Tiny Tales" ausgezeichnet. Seitdem steigt die Zahl der Follower rasant, aktuell sind es knapp 9000.

Sooft wie möglich, "mindestens einmal pro Woche", will der 35-Jährige seine Prosa-Stücke im Miniaturformat versenden. Voller Enthusiasmus hat er im Oktober 2009 mit seinen "Tiny Tales" via Twitter losgelegt, anfangs mit einer Geschichte pro Tag. "Ich habe sehr unmittelbar gemerkt, dass es gut ankommt." Den Namen hat er aus Liebe zur griffigen Alliteration gewählt. Die Verwandtschaft zu Edgar Allan Poe, dessen Kurzgeschichtensammlung "Tales of Mystery and Imagination" bis heute die Leser fasziniert, lässt sich indes nicht leugnen.

Im letzten Moment offenbart die Geschichte ihr wahres Wesen. So etwa in der Fußball-Episode: "Er sah Kevin-Prince Boateng fest in die Augen. ‚OK, abgemacht. Aber nur den Knöchel!‘ Ballack seufzte. Verdammte Flugangst."

Aber auch den Urknall, Google und Barack Obama hat Meimberg in seinen Tweets verewigt. Er vergleicht sie mit "kleinen Luken, durch die der Leser in eine riesige Geschichte hineinschaut". Wie auch in seiner Arbeit als Regisseur geht es ihm darum, das "Kino im Kopf in Gang zu setzen". Nicht alle Ideen stammen dabei von ihm selbst – anregen lässt er sich auch von seiner Frau. Die Werbetexterin hat außerdem einige der "Tiny Tales" als Ghostwriter geschrieben.

Seit zwei Jahren hat sich Meimberg auf Regie verlegt, zuvor hat der gebürtige Bielefelder 14 Jahre lang als Art Director und Creative Director gearbeitet, unter anderem für Euro RSCG, Grey und BBDO. Zu seinen Kunden zählten Karstadt, Deutsche Bank, Deutsche Post, Nokia und E-plus. Egal ob Cannes-Löwe oder ADC-Auszeichnung – es gibt kaum einen Award, den Meimberg nicht gewonnen hat. Neben seinen Regiearbeiten entwickelt er zusammen mit seinem Zwilligsbruder Manuel, Drehbuchautor aus Berlin, sogenannte Webisodes für Unternehmen. Hauptsache, er kann Geschichten erzählen.

Diese Lust am Storytelling versucht er gerade seinem knapp zweijährigen Sohn weiterzugeben: Ausführlich schaut er mit ihm Wimmelbilderbücher an.

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