Esther Raff: Erst Umbau, jetzt Aufbau
Ein paar Gerüchte gab es um Esther Raff, auf dem Radio Day vergangene Woche in Köln. Aber daran war man eigentlich gewöhnt. Denn über Raff wird immer mal wieder getuschelt, gehört sie doch zu den wenigen mächtigen Frauen im Vermarktungs-Business. Zudem legt sie manchmal ein Tempo vor, das arrivierteren Herren der Radio-Branche den Atem nehmen kann. Tatsächlich aber sickerte nichts durch von ihrer Kündigung. Esther Raff, die Chefin des Audio-Vermarkters AS&S Radio, eröffnete – zusammen mit dem RMS-Kollegen Florian Ruckert – den Radio Day, absolvierte zahllose Termine und kam auch noch zur abendlichen Party in das Gelände Halle Tor 2 – Business as usual. Dann aber verabschiedete sie sich frühzeitig, erledigt von der Anstrengung, bei den vielen Gesprächen die Fassade aufrecht zu halten.
Drei Tage später kam dann die Nachricht ihrer Kündigung, die selbst einige AS&S-Gesellschafter überraschte. Die 44-Jährige verlässt das Unternehmen in Frankfurt, wo sie seit 2005 gearbeitet hatte und baut zusammen mit Klassik Radio einen neuen nationalen Radio-Vermarkter auf. Dass Raff der ARD-Werbung den Rücken kehrt, kommt für viele nicht überraschend. Denn schon einmal hatten viele geglaubt, dass sie das Handtuch wirft. Das war vor eineinhalb Jahren, als die Gesellschafter nach einem Nachfolger für den gescheiterten Thomas Levermann suchten. Auch Raff wurde ins Gespräch gebracht, was durchaus in die Karriereplanung der ehrgeizigen Radio-Managerin passte. Doch die Entscheidung fiel für Elke Schneiderbanger, womit klar war, dass es für sie in der Hierarchie der AS&S nicht weiter nach oben gehen würde.
Vermutlich war einigen Gesellschaftern Esther Raff zu anstrengend. Sie hatte den Radio-Vermarkter konsequent umgebaut, dabei auf Befindlichkeiten wenig Rücksicht genommen und sich nicht nur Freunde gemacht. Es gab einige, denen das Tempo zu hoch war. So manche sagen, sie habe das öffentlich-rechtliche System, zu dessen Familie eben auch die Vermarktungstochter gehört, mit ihren Innovationen bis an die Grenzen ausgereizt. Raff machte auch keinen Hehl daraus, dass sie im Zweifel Mitarbeiter mit dem Background privater Radiostationen einen Tick tougher fand als die in der ARD groß gewordenen. Einer ihrer engsten Mitarbeiter, Christian Lea, kam vom Privatfunk, er wechselt nun ebenfalls zu Klassik Radio. Der Zeitpunkt für einen Schlussstrich sei ideal, sagt Esther Raff. "Wir werden Ende des Jahres die bislang besten Umsätze haben."
Diese Position zu verteidigen ist ihre Sache nicht. Es muss aufwärts gehen. Wenn es sein muss, können die Ziele gerne richtig hoch gesteckt sein. Wie jetzt auch. Immerhin will sie nichts weniger als einen dritten großen nationalen Radio-Vermarkter aufbauen.
van Rinsum Redakteur







