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Cornelius Mangold
Cornelius Mangold

Cornelius Mangold: Ornella hat abgesagt

veröffentlicht am 02.07.2010 um 16:00 Uhr · Köpfe · Artikel

Türklinken gelten gemeinhin als wenig sexy. Dass sie die Grundlage von Kunstwerken sein können, zeigt die vielfach prämierte Kampagne von FSB. Der Hersteller von Klinken, Griffen und Beschlägen wendet sich an Bauherren, Architekten und Einrichter. Die Motive stammen von Schindler Parent Identity, Berlin, entwickelt von Cornelius Mangold und Anne Kohlermann, umgesetzt von der Stylistin Sarah Illenberger und dem Fotografen Attila Hartwig.

Wie gut, dass auch heute noch die meisten Agenturleute Schwarz tragen. Das dürfte dem vielseitig talentierten Cornelius Mangold den Schritt erleichtert haben, in einer Agentur zu arbeiten. Denn als Kind "wollte ich etwas mit einem schwarzen Anzug werden, Felix Krull und James Bond waren schuld." Nun kann er das. Obwohl Schindler Parent Identity "keine klassische Werbeagentur ist", sagt Mangold, sondern "eine Agentur für strategische Markenentwicklung".

Hierher gelangte er auf langem Weg: Mangold zog es nach dem Abitur zu Bühne, Film und Architektur, er hat an Kunsthochschulen in Hannover, Berlin und der TU in Delft studiert, "wollte aber mit meinem Diplom keine Häuser bauen", erzählt er. Und weil er vor allem wusste, was er nicht will, ergriff er zunächst die Gelegenheit, mit einem Kommilitonen als Film­architekt zu arbeiten.

Dann sagte Ornella Muti ab, eine große Produktion platzte, der Pro­fessor aus Holland brauchte Hilfe bei der Planung von Ausstellungen. Nebenbei begann Mangold zu schrei­ben und den DDR-Plattenbau zu dokumentieren. Daraus entwickelte er ein Kartenspiel, Werbeagenturen wurden aufmerksam. Es folgten Beratertätig­keiten zur strategischen Markenpositionierung. Soweit die Kurzfassung.

Für jemanden wie Mangold ist es gar kein weiter Weg von der Architektur zur Marke. Seine Vorbilder, das Architekten- und Künstler-Ehepaar Ray und Charles Eames, ticken wie er – und Mangold bewundert sie wegen ihrer Vielseitigkeit: "Mit ihren Produkten, Filmen und Rauminszenierungen haben sie zwei Unternehmenslegenden mit begründetet: IBM und Herman Miller." Die Marke, die aktuell am meisten von der Krea­tivität des 42-Jährigen profitiert, ist FSB. Vorige Woche gewann die Kampagne "Evolution" den GWA Profi Award. Die ästhetische Inszenierung der Klinken und Beschläge beruht auf Team-Arbeit: "Wir wollten zusammen mit der Stylistin Sarah Illenberger Ästhetik, Technik und den für FSB typischen Feinsinn in Szene setzen", erzählt Mangold, der für Strategie und Text verantwortlich ist. Er und seine Team-Partnerin Anne Kohlermann (Art) haben zwei Thesen aufgestellt: "Erstens: Zitate aus Biologiebüchern lassen sich auf Eigenschaften des FSB-Sortiments übertragen. Zweitens: Es finden sich darin ausreichend Abbildungen, die wir abstrahieren und mit Klinken nachstellen können." Beides traf zu, die Evolutions-Kampagne war geboren. Wie er es sagt, klingt es ganz einfach. Es mag diese Einfachheit sein, die den Motiven ihre Leichtigkeit und Schönheit verleiht.

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