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Christian Nienhaus: Polternder Profiteur

Christian Nienhaus: Polternder Profiteur

veröffentlicht am 09.09.2011 um 13:51 Uhr · Köpfe · Artikel

Die Chancen für Christian Nienhaus und seinen Machtzuwachs stehen nicht schlecht. Während in den WAZ-Eigner­familien gerade eine Übernahme durch Mitinhaberin Petra Grotkamp vorbereitet wird, hat sich sein Kogeschäftsführer Bodo Hombach mit seiner offenbar bevorstehenden Abberufung abgefunden. Der SPD-Haudegen und ehemalige Kanzleramtsminister, der als Geschäftsführer vom WAZ-Eignerstamm Brost installiert wurde, will einen offenen Machtkampf mit CDU-Mitglied Christian Nienhaus vermeiden. Wenn die Über­nahme der Anteile der Brost-Familie durch Petra Grotkamp klappt, ist ­Nienhaus deshalb der aussichtsreichste Kandidat, als mächtigster Manager die Geschicke des größten deutschen Regionalverlags zu leiten; wahrscheinlich mit Manfred Braun, derzeit Zeitschriften- und NRW-Zeitungschef, an seiner Seite.

Nienhaus hat erst vergangene Woche ungewöhnliche Solidaritätsbekundungen von Petra Grotkamp bekommen, als die "Financial Times Deutschland" den Abgang von Nienhaus als mögliches Szenario beschrieben hatte. Das Dementi der öffentlichkeitsscheuen Verlegerin war kurz und unmissverständlich: "Frau Grotkamp hat volles Vertrauen in Herrn Nienhaus und schätzt seine Tätigkeit außer­ordentlich. Frau Grotkamp möchte auch in Zukunft erfolgreich mit Herrn Nienhaus zusammenarbeiten", ließ ihr Anwalt mitteilen. Grotkamp weiß, was sie an dem gebürtigen Hagener hat. Der Diplomökonom gilt, anders als Politprofi Hombach, als ausgewiesener Verlagsexperte und Branchenstratege, der sich bereits bei Axel Springer einen exzellenten Ruf erarbeitet hat und dort die Bild-Gruppe zu satten Renditen führen konnte. Zuvor empfahl er sich als Geschäftsführer des Badischen Verlags und des Süddeutschen Verlags für weitere höhere Aufgaben.

Einzig an politischem Geschick und rhetorischem Feingefühl fehlt es Nienhaus zuweilen. Dass offenbarte sich zuletzt bei seinem seit Monaten erbittert geführten Kampf gegen die Expansionspläne der öffentlich-rechtlichen Sender. So polterte Nienhaus in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gegen den "Staatsrundfunk" WDR und warf dem Sender vor, Landtagsabgeordnete in Nordrhein-Westfalen unter Druck gesetzt zu haben, wenn sie gegen die Mediengebühr stimmen würden. Auch bei mehrmaliger Nachfrage von W&V und anderen Medien blieb Nienhaus bei seiner Darstellung. Erst als der WDR mit rechtlichen Schritten drohte, nahm der WAZ-Mann Abstand von seinen Ausführungen. Eine Wende, die nur zwei Schlüsse zulässt: Entweder hat Nienhaus maßlos übertrieben, oder er will auf dem Weg zum Machtzuwachs anderen Konflikten aus dem Weg gehen, um den Rückhalt von Petra Grotkamp nicht zu verlieren.

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