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Christian Gaiser: Schrecken der Verlage

Christian Gaiser: Schrecken der Verlage

veröffentlicht am 16.07.2010 um 15:00 Uhr · Köpfe · Artikel

Auf dem Portal kaufda.de hinterlegen die großen Handelsketten, aber auch kleine Filialisten ihre Werbebeilagen in digitaler Form. Damit werden ihre aktuellen Sonderangebote transparent und vergleichbar. Über eine Suchfunktion kann die jeweils nächste Filiale ausfindig gemacht werden. Rund fünf Millionen Besucher zählte das Verbraucher-Portal im Juni, demnächst werden es deutlich mehr: T-Online bindet das Portal in seine Website ein.

Es gibt gerade ein wenig Probleme, Christian Gaiser zu erreichen. Wiedermal hat er das Ladekabel seines IPhones vergessen und jetzt muss er sich am Flughafen erst mal ein neues besorgen. Was eigentlich nicht weiter schlimm ist. Denn der 24-Jährige ist vier Tage die Woche unterwegs und eigentlich ständig an irgendeinem Airport oder Bahnhof.

Christian Gaiser, Sohn einer Hotel-Gastronomen-Familie aus dem Schwarzwald, ist Chef des Unternehmens kaufda.de, eines mehrfach ausgezeichneten Start-up. Es ist ein Portal, in dem sich die aktuellen Werbeprospekte der großen deutschen Handelsketten wie Aldi, Lidl oder Schlecker einsehen lassen und das gleichzeitig sagt, wo die nächste Filiale liegt. Die Händler machen von dieser Möglichkeit, ihre gedruckte Beilage ins Internet zu übertragen, eifrig Gebrauch. Und die User auch. Rund 225 000 heruntergeladene Apps im Monat Juni zählt Gaiser stolz, zudem insgesamt fünf Millionen Besucher im Monat. Bald dürften es noch mehr sein, denn soeben hat kaufda.de eine Zusammenarbeit mit dem Internet-Portal t-online.de angekündigt.

Die Idee zu dem Portal kam ihm und seinem Kollegen Tim Marbach, als sie für ihre Uni-Abschlussarbeit im Silicon Valley nach neuesten Branchentrends forschten. Das ist gerademal drei Jahre her und nun ist Gaiser Chef eines Unternehmens in Berlin mit 45 Angestellten, die auch an heißen Tagen nur mit langer Hose im Büro sitzen dürfen. Denn Geschäftspartner ist der Handel, und das ist "eine bodenständige und geerdete Branche", wie Gaiser sagt.

Eigentlich hätte Gaiser in der Gastronomie arbeiten sollen, wie seine Geschwister, aber das war ihm zu gemächlich. Er handelte lieber mit Aktien im Internet, und war schon früh Powerseller bei eBay. "Ich war zeitweise der beste Kunde unserer Postfiliale", erzählt er. Und heute gilt er vielen Verlagen als Schreckgespenst, einer, der ihnen das Leben weiter erschwert, weil er wichtige Kunden ins Internet zieht. Gaiser sieht das freilich anders. "Die Verlage sollten uns dankbar sein. Denn wir übertragen ein erfolgreiches Printprodukt ins Netz", sagt er. Die Beilage werde es auch in 20 Jahren noch geben.

Gaiser schätzt Zeitungen. Denn obwohl er einerseits ein typischer Vertreter der Generation Digital Native ist, hat er andererseits eine starke Bindung zu klassischen Printmedien. Er ist Stammleser der "SZ" und "FAZ". Seit zehn Jahren, seit er 14 ist.

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