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Gregory Lipinski veröffentlicht am 20.07.2010 15:51 Uhr in Blog
Von: Gregory Lipinski

Wenn der Wettbewerb lebt

Es war Ende vergangenen Jahres der Paukenschlag im deutschen Nachrichtengeschäft: Die Eigentümer des Deutschen Depeschendienstes (ddp) schluckten den deutschen Ableger der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Für den Platzhirschen, die Deutsche Presse-Agentur (dpa), eine völlig neue Situation. Denn mehrere Jahrzehnte hatte sich an den Strukturen auf dem deutschen Nachrichtenmarkt wenig getan. Die dpa war Marktführer, niemand machte ihr diese Stellung streitig.

Nun kratzt die DAPD an diesem tradierten Marktgefüge und greift massiv an. Verständlich erscheint die Reaktion der dpa-Geschäftsführung. Sie unternimmt alles, um die aufgehende Blüte im hart umkämpften Geschäft um Blitzmeldungen und den besten Fotos ihre Entfaltungskraft zu nehmen. dpa strengt deshalb ein Entflechtungsverfahren beim Bundeskartellamt an, weil sie durch die Fusion der beiden Agenturen den Wettbewerb in Deutschland gefährdet sieht.

Denn bereits im Vorfeld hatten sich Branchenbeobachter immer wieder gefragt, warum der Marktführer eigentlich den deutlich kleineren Konkurrenten DAPD dermaßen in die Schranken weisen will. Fehlt es der Agentur an Selbstbewusstsein, dass sie den Wettbewerb scheut? Fürchtet sie, dass DAPD ihr die jahrelang unangefochtene Marktstellung tatsächlich streitig macht und ihr kräftig Kunden abjagt?

Nun ist der Weg endgültig frei für die neu formierte Nachrichtenagentur DAPD, die sich erklärtermaßen ab September als Vollagentur auf dem Markt etablieren will. Dadurch wird sich langfristig der Wettbewerb im Nachrichtengeschäft deutlich beleben. Dies ist auch gut so. Denn von dieser Entwicklung können die Verlagshäuser sowie die Leser ihrer vielen Print- und Online-Produkte nur profitieren. Denn ein weiter aufkeimender Wettbewerb wird sich nicht nur auf die Preise für die Verlage auswirken, beide Agenturen werden künftig noch mehr als bisher auf die Qualität ihrer Berichterstattung achten, um ihre Kunden zu halten oder neue zu gewinnen.

Dies zeigen bereits die jüngsten Vorstöße beider Unternehmen. So sagt beispielsweise dpa-Chefredakteur Wolfgang Büchner jüngst der gestelzten Agentursprache adieu. DAPD hingegen gründet ein eigenes Ressort, um mehr Exklusivgeschichten auf den Ticker zu bringen. Am Ende freut's vor allem den Leser, wenn der Wettbewerb lebt.

Schlagworte: dpa DAPD

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