veröffentlicht am 27.01.2012 10:30 Uhr in
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Von: Lena Herrmann
Unkreatives Frankfurt? Die Networks sind selbst schuld!
Saatchi & Saatchi-Kreativchef Jorg Riommi spricht im Interview mit W&V Online harte Worte: Damit Saatchi & Saatchi im Kreativranking 2012 erfolgreich sein kann, müsse er unter anderem auch "das Selbstverständnis der Mitarbeiter zum Thema Kreativität ändern". Eine Aussage, die kein gutes Licht auf die Werber in Frankfurt wirft. Gibt es in der Mainmetropole wirklich so wenig kreatives Personal?
Im vergangenen Jahr haben es die Networks scharenweise vorgemacht und in Berlin Standorte aufgemacht - auch Saatchi & Saatchi. Nirgendwo gebe es so viele kreativ denkende, junge Werber, hatte es damals einstimmig geklungen. Frisches Personal, dem man einiges bieten müsse und das man kaum in Standorte wie Düsseldorf oder Frankfurt bekommen könne. Die Anzahl der Networks im Vergleich zu den inhabergeführten, als wirklich kreativ geltenden, Agenturen in den Städten im Westen der Republik spricht ebenfalls Bände. Jahr für Jahr sahnt Hamburg die meisten Löwen in Cannes ab, alle der Top-Ten-Agenturen im Kreativranking haben entweder einen Standort in Berlin oder Hamburg, sechs davon sogar in beiden Städten. Der Schritte nach Berlin sind unter den Umständen nachvollziehbar.
Aber wann genau ist das eigentlich passiert, dass die guten Kreativen Städten wie Frankfurt den Rücken gekehrt haben? Eine etwas spießige Banken-Metropole ist die Stadt am Main nicht erst seit gestern, daran kann es kaum liegen; denn gleichzeitig gibt es dort auch ein reges Nachtleben, Kunst und Kultur. Haben sich die Networks nicht vielleicht selbst die Suppe eingebrockt? Jahrelang haben sie vor allem auf Großkunden gesetzt, die entweder schwerfällig oder immun gegen witzige, spritzige und mutige Arbeiten waren. Oder die motivierten und inspirierten Jungwerber wurden mit jahrelanger öder Adaptionsarbeit für die internationalen Konzerne abgestumpft. Platz und Nischen für kleine, feine Arbeiten gab es kaum.
Dass auch die Networks viel mehr in die Förderung der Jungen setzen müssen, ihnen kreative Spielplätze und Perspektiven bieten müssen - dieses Wissen ist erst in den vergangenen Jahren entstanden. Als plötzlich deutlich wurde, dass auch kleine inhaber geführte Agenturen den Sprung ins immer wichtiger werdende Kreativranking schaffen können und wollen und die Networks so gehörig ins Schwitzen brachten.
"Wenn sich Kreative bei mehreren Marken und Arbeiten einbringen können, dann besteht weniger die Gefahr, dass sie einer Tages ausgebrannt sind", glaubt auch Riommi. Aus diesem Grund setzt auch er künftig mehr auf Awardarbeiten: "Sie sind wichtig für die gesamte Kreativindustrie, gut für die Moral der Kreativen und wichtig für die Reputation der Agentur." Fehlen nur noch die Kunden, die Award-Arbeiten auch mal zulassen. Diesen Weg muss Saatchi & Saatchi bereiten. Dann klappt es auch wieder mit den Kreativen.
Schlagworte: Saatchi & Saatchi Jorg Riommi
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