veröffentlicht am 03.03.2011 17:30 Uhr in
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Von: Petra Schwegler
ProSiebenSat.1 ist schick – aber auch sexy?
Noch gehört ProSiebenSat.1 zu KKR und Permira. Doch dass sich die Finanzinvestoren – wie in diesen Reihen üblich – nach fünf Jahren in absehbarer Zeit von ihrem Engagement zurückziehen, klingt plausibel. Zugegeben: ProSiebenSat.1 ist eine schicke Braut. CEO Thomas Ebeling hat mit eisernem Sparen, mit den nötigen Investitionen in neue Geschäftsfelder zur rechten Zeit und dank des unerwartet starken Aufschwungs die TV-AG sehr stark aufgestellt. Alle Sender sitzen nun kosteneffizient in München, der teure Nachrichtenkanal N24 geht allein seinen Weg. Der Effekt bei der AG: Der Gewinn hat sich 2010 verdoppelt, der Umsatz klettert weiter und auch die Aussichten für dieses Jahr sind einigermaßen gut.
Bloß: Wer soll eine solche Riesenübernahme stemmen? Die Aktien notieren dank der Hausse der vergangenen Monate bei deutlich über 20 Euro, Anteile werden entsprechend immer teurer. Im Hintergrund lauert ein riesiger Schuldenberg, den KKR und Permira ProSiebenSat.1 zusammen mit der SBS-Gruppe übergestülpt haben. Mit immer noch drei Milliarden steht die Firma bei den Banken in der Kreide. Durch das Zusammenwachsen mit SBS ist der Konzern zudem auch sehr groß geworden – und liefert mit Sendern in vielen Ländern drei Milliarden Euro Umsatz ab. Der eine oder andere TV-Kanal in den Niederlanden, Belgien und Nordeuropa könnte zwar noch veräußert werden - im zweiten Quartal fallen die Würfel. Aber die ProSiebenSat.1 Group bleibt ein dicker Fisch für eine Übernahme – und wirklich sexy ist ein Engagement deshalb nur für ganz wenige.
Dass von diesen wenigen gleich wieder Springer als Kandidat für einen möglichen Einstieg ins Feld geschickt wird, nützt im Moment nur den Investoren selbst – macht es doch das Objekt noch begehrlicher. Wenn man Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner diese Woche sagen hört, die Wahrscheinlichkeit einer Beteiligung am Fernsehkonzern sei noch nie so gering gewesen wie derzeit, so könnte man ihm dieses Mal direkt glauben. Denn er dürfte die Bücher genau kennen, hat er sie doch 2005 vor der von Kartellamt und Medienwächtern gestoppten Übernahme genau durchforstet. Damals, nach der Ära Haim Sabans, ist die TV-Gruppe wirklich gut aufgestellt gewesen. Nun, um drei Milliarden Euro Schulden ärmer und in vielen Bereich bei den Kosten bis aufs Äußerste ausgereizt, könnten dem Käufer die Risiken größer als mögliche Wachstumsfantasien erscheinen.
Konzernchef Ebeling schweigt zu allen Verkaufsgerüchten – auch am Donnerstag auf der Bilanz-Pressekonferenz. Es sei das Privileg der Eigentümer, über ihre Anteile selbst zu entscheiden. "Für uns ist es wichtig, die Geschäfte davon unbeeindruckt weiter zu entwickeln", so der Konzernlenker.
Wer am Ende das Sagen bei ProSiebenSat.1 haben wird, ist vor allem auch eine medienpolitische Frage. Das Kartellamt hat ein strenges Auge auf die Sendergruppe und alle Interessenten – was dem Sexappeal zusätzlich schadet. Dem könnten KKR und Permira nur entgehen, wenn sie tun, was Analysten für sehr wahrscheinlich halten: die milliardenschweren TV-Familie komplett an die Börse bringen.
Schlagworte: KKR Permira Schulden ProSiebenSat.1 Verkauf Springer
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