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Lena Herrmann veröffentlicht am 10.02.2010 14:03 Uhr in Blog
Von: Lena Herrmann

Ist ein Agenturstreik die Lösung des Problems?

Mit ihrem Streik haben belgische Agenturen und der ACC das geschafft, wovon deutsche Agenturen wahrscheinlich insgeheim schon lange träumen. Sie solidarisieren sich und lehnen sich gegen die Unternehmen und ihre immer extremer werdenden Pitchbedingungen auf. Und verweisen auf ihre Statuten, die zwar immer noch gelten, aber immer mehr umgangen werden. Mit Sicherheit wird es keine Agentur hierzulande geben, die nicht aus tiefsten Herzen für diese Aktion Beifall spendet. Denn wer sich bei Beratern und Keativen umhört, der bekommt genau das zu hören: Pitches dauern immer länger, immer mehr Agenturen werden eingeladen, die sich oftmals nicht in ein oder zwei Stufen beweisen müssen, sondern in drei, vier oder fünf Runden. Das alles kostet immer mehr Personal, immer mehr Energie und immer mehr Geld.

Was also tun? Die belgischen Agenturen haben mit ihrem Streik und dem gemeinsamen Plädoyer ein einfaches, öffentlichkeitswirksames und überzeugendes Mittel gefunden, das auch hierzulande Kreative wie beispielsweise Stefan Zschaler von Leagas Delaney begeistert. Wäre das nicht auch eine Option für Deutschland?

Fest steht aber schon jetzt: So eine Aktion - egal ob in Belgien oder hier - ist nur dann wirksam, wenn die streikenden Agenturen auch so konsequent sind und künftig nicht mehr an Massen-Pitches teilnehmen oder umsonst ihre Arbeiten anbieten. Und genau das ist doch der Knackpunkt: Welche Agentur wird in schweren Zeiten wie diesen auf das Neugeschäft des Jahres verzichten, wenn der Kunde eben doch sieben oder acht und nicht nur drei Agenturen präsentieren lässt?

Ein gutgemeinter Appell wie der in Belgien wird auf Dauer nichts ändern. Wenn sich die Agenturen nicht zusammenschließen und gemeinsam und konsequent ihre Kunden auch erziehen. Zu mehr Fairness, zu transparenten Prozessen und angemessener Bezahlung. Alle Agenturen, die an dem Streik teilnehmen, müssen nicht nur Worte auf ihrer Website veröffentlichen, sondern müssen künftig auch danach handeln. Wer selbst nicht konsequent agiert und sich zu billig verkauft, muss sich auch nicht wundern, wenn ihn keiner mehr ernst nimmt. Ein Streik kann also nur der Anfang sein.

Schlagworte: ACC Streik

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