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Petra Schwegler veröffentlicht am 28.09.2010 15:40 Uhr in Blog
Von: Petra Schwegler

Die ARD - oder: Zwischen Grauen und "Gremlins"

Eins ist sicher: Die ARD-Granden sind sich oft zur falschen Zeit uneins. Da verheddern sich öffentlich-rechtliche Anstalts-Fürsten in Debatten darüber, wer was wann und wie zum Gemeinschaftsprogramm beisteuert. Es darf ja schließlich keiner zu kurz kommen im Ersten. Zu kurz kommen da ganz andere: Mathias Richling, Harald Schmidt, Jörg Pilawa oder auch Erwin Pelzig. Sie sind Aushängeschilder der ARD - beziehungsweise: Sie sind es nicht mehr. Sie haben hingeworfen. Keine Lust mehr. Richling umschreibt seinen jetzt verkündeten Ausstieg noch nett: Es gebe "zu viele Unklarheiten" über das neue Konzept für den Sendeplatz des "Satire Gipfels".

Deutlich ist Harald Schmidt geworden. Ihn lässt die ARD ziehen, um 2011 die Kosten für ein neues Programmschema mit Günther Jauchs Sonntagstalk und einer täglichen Talkschiene zu sparen. Schmidts rotziger Kommentar - "Die wussten nicht, wohin mit mir“ - trifft den Kern des Problems. Zu viele Köche reden in der ARD mit - und sie verderben den Brei. Schon die Tatsache, dass Schmidt im Ersten mit seinen Boshaftigkeiten nie zu alter Sat.1-Stärke aufgelaufen ist, liegt sicher an den ARD-Oberen und ihren begrenzenden Gremien. Die "Gremlins" grätschen sich gerne zwischen Anspruch und Wirklichkeit im Ersten. Eigentlich will der Senderverbund mehr junge Zuschauer ansprechen, bevor seine Zielgruppe mit den letzten geburtenstarken Jahrgängen schwindet. Doch zu jung geht auch wieder nicht - oder im Fall Harald Schmidt: zu bissig. Mit den Kompromissen und dem Hin- und Hergeschiebe zugunsten vermeintlich wichtigerer Programmschienen können indes die Sendergesichter oft nicht leben. Sie gehen.

Dass Günther Jauch nach einem gründlich misslungenen Versuch im kommenden Herbst doch noch zur ARD geholt werden kann, grenzt schier an ein Wunder. Grauen und Gremien dürften ihm noch im Nacken gesessen haben, nachdem vor einigen Jahren seine Rückkehr im Gezerre des öffentlich-rechtlichen Proporzes gescheitert ist. Immer deutlicher wird, dass die ARD dieses Mal für Jauch den roten Teppich ausrollen muss. Diverse Produktionen großer Show-Events landen in jüngster Zeit bei seiner Produktionsfirma I & U. Daraus sollte aber kein Vorwurf gestrickt werden: Wer Zuschauer anlockt, muss Wertschätzung spüren.

Wertschätzung wird beispielsweise Jörg Pilawa aktuell beim ZDF zuteil. Die Mainzer jubeln in einem extra produzierten Trailer. Die Aussage: Herzlich willkommen, hurra, wir freuen uns! Ähnlich auch Sat.1, das Schmidt zurückholt. Dort empfängt ihn das Management mit warmen Worten und der Hoffnung auf ein bisschen mehr Glanz für die angestaubte Marke.

Erstaunlich ist, dass die ARD-Chefetage trotz des rauen Umgangs doch immer rasch die entstehenden Sendelücken füllen kann. Richlings Ausstieg etwa ist noch frisch, da tickert schon, dass Dieter Nuhr künftig kabarettistisch für die ARD einspringt. Vielleicht hat die "Methode ARD" aber auch System: Wer selbst hinschmeißt, muss erst gar nicht hinausgeworfen werden.

Schlagworte: Mathias Richling Harald Schmidt Erwin Pelzig Das Erste Günther Jauch ARD

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