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Thomas Nötting veröffentlicht am 08.10.2010 05:00 Uhr in Blog
Von: Thomas Nötting

Der Mann fürs Positive

Soviel steht fest: Mit der Verpflichtung von Stephan Scherzer ist VDZ-Präsident Hubert Burda ein Coup gelungen. Der 46-jährige IDG-Manager, der ab 2012 die Führung Verbands übernimmt, ist offenbar ein Typ, wie es ihn bislang in den Reihen der Verlagslobbyisten nicht gegeben hat.

Der Manager der IT-Fachgruppe IDG kommt aus einer Welt, die den meisten Verlagsmanagern nach wie vor fremd ist. Er arbeitet seit 2006 in den USA und pflegt enge Kontakte zur Online-Branche und zu Startups. Er steht für die Themen Internationalisierung und Digitalisierung – zwei Felder, auf denen sich die Zukunft der Zunft entscheiden wird.

Vor allem beim Thema Online plagt den Verlegerverband ein Imageproblem. Ob im Streit um öffentlich-rechtliche Internet-Angebote und Apps oder im Ringen um ein neues Leistungsschutzrecht: Stets erzeugten die Verlagsvertreter den Eindruck einer sich in Rückzugsgefechten verzettelnden Branche, die verzweifelt versucht, ihr bedrohtes Terrain zu verteidigen. Die Verlage, so ätzen ihre Gegner, haben die Zeichen der Zeit verschlafen und rufen nun lautstark nach der Politik. Einer wie Scherzer aber wird mit solchen Polemiken nicht zu fassen sein. Er kommt von einem Verlag, der 50 Prozent seines Umsatzes mit digitalen Medien macht. Er verkörpert ein uneingeschränkt positives Verhältnis zu den neuen Medien. Das unterscheidet ihn nach wie vor von so manchem Print-Vertreter.

Die Personalie birgt jedoch auch Risiken. Die liegen weniger in der Außen- als in der Innenwirkung des künftigen VDZ-Chefs. Im Verband erwarten Scherzer zahlreiche Probleme: Separatismus-Tendenzen der kleineren Verlage, der Streit ums Grosso-System oder das Tagesgeschäft Anzeigenmarketing, wo nach dem Abgang von Holger Busch eine Riesenlücke klafft. All diesen Dingen mag es – vom Silicon Valley aus gesehen - an Sexappeal mangeln. Doch sie stehen fürs klassische Geschäft mit Gedrucktem. Und genau dort – nicht im Netz - verdienen die meisten VDZ-Mitglieder nach wie vor ihr Geld.

Dass Scherzer den Verband nach außen kraftvoll vertreten wird, darf man ihm zutrauen. Nach innen aber ist sein Talent als Integrator und Vermittler gefordert. Und dieser Teil des Jobs ist möglicherweise noch wichtiger.

Schlagworte: Scherzer VDZ Burda

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