veröffentlicht am 18.03.2010 14:45 Uhr in
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Von: Judith Pfannenmüller
Bauer und das Grosso: Juristische Festpiele und andere Alleingänge
Es ist schon bemerkenswert, welche schweren Geschütze der Bauer-Verlag auffährt, um eine Information wieder einzufangen, die nach allen Regeln der PR-Kunst schon längst nicht mehr einzufangen ist und sie so nur weiter im öffentlichen Diskurs hält. Angeblich, so die betreffende Behauptung, habe sich der Bauer-Verlag den Rückzug seiner Vertriebstochter PVN aus den umstrittenen Grosso-Gebieten Stade und Elmshorn bezahlen lassen wollen. Dies hatte der Branchendienst text intern am 23. Februar berichtet und der Grossoverband in einer Pressemitteilung vom 9. März bestätigt.
Obwohl es über die Rolle des Verlags selbst bei der Verbreitung dieser Geschichte widersprüchliche Aussagen gibt, lässt Bauer seine Anwälte mit Unterlassungs- und Widerrufsbegehren all diejenigen torpedieren, die es wagen, über die Fragwürdigkeiten des Vorgangs zu berichten. Souveränität sieht anders aus, und die PR-Abteilung hat im Verlag ganz offensichtlich gar nichts zu sagen.
Weil der Verband sich aber nicht mundtot machen lassen will, soll er nun über eine Einstweilige Verfügung Bauers zum Schweigen verdonnert werden. Wenn es in einem Hauptsacheverfahren zur Zeugenbefragung kommt, wird das munter weiter von der Fachpresse beobachtet werden – die Publicity für Bauer steigt ins Unermessliche. Zum Imagegewinn des Verlags trägt sie allerdings nichts bei.
Erstaunlich semiprofessionell war schon das Dementi, das der Verlag auf Vorabmeldung von text intern an die Fachpresse verschickt hatte. So wurde zwar dementiert, was der Fachdienst berichtet hatte, die Journalisten sollten das Dementi aber „nur als Hintergrundinformation verstehen“ und nicht öffentlich machen. Für die Weiterverbreitung des text-intern-Artikels wurde schon mal mit den Anwälten gedroht.
Doch die Alleingänge des Verlags nerven die Branche zusehends. Die Frage "Was will Bauer eigentlich erreichen?“, lässt sich immer weniger beantworten. Sinnlose Aktionen wie die Top 100-Titel, eine angebliche Gattungsmarketingaktion, bei der die Gattung leider nicht mitmachen will, heizen eine ohnehin angespannte Situation unnötig an. All dies führt dazu, dass Bemühungen, das Grossosystem gesetzlich festzuschreiben, immer mehr Anhänger findet und es dazu schon erste konkrete Entwürfe gibt.
Aktion gelungen, kann man den schlauen Bauer-Strategen da nur zurufen!
Schlagworte: Bauer Grosso Verlag
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