Ich bin ... überfordert, holt mich hier raus!
Nun bin ich also auch noch Geo. Gruner + Jahr hat eine Imagekampagne lanciert, die zwölf Wochen lang in Printmedien verkündet: "Ich bin Geo.“ Dabei sind wir alle ja schon Papst, das Volk, Ergo, Helden - also ich bin durch, vor lauter Authentizitätswahn und Identifizierung mit der Marke komm ich zu nichts anderem mehr.
Wer (oder was) sind Sie? Ich bin eine Nikon, du bist Deutschland (oder war das auch ich?), du bist Terrorist, wir sind eins (ARD), nur du bist du (titelte einst Coca-Cola), ich bin die Energie, sei Berlin!, wir sind Wald und wir sind unbezahlbar (Bund der deutschen Katholischen Jugend Bayern) - und am Ende sind wir alle nichts und niemand.
Geo kann da nun wenig dafür, aber als jüngstes Beispiel in einer abgenudelten Reihe kriegt es diese Kampagne nun ab: Seid bitte wieder ihr selbst, ihr Werber und Werbungtreibenden - und lasst mich friedlich das Schaf sein, dass euch liebt oder hasst und dann doch kauft, weil ihr so wahrhaftig seid.
Ich bin doch nicht blöd (Media-Markt)! Nein, unterm Strich zähl ich (Postbank), und außerdem: Ich bin gut (Arbeitsagentur)!
Wenn dann alle Formen von "sein" durchkonjugiert sind, darf Werbung vielleicht wieder Spaß machen und ein Produkt muss nicht so gut sein, dass ich vollends mit ihm verschmelze, sondern nur so gut, dass ich es kaufen will.
Euch bleiben zum Trost noch viele andere Verben, die das Wir-Gefühl hervorragend ausdrücken: Wir leben (Auto), wir lieben (Lebensmittel, Technik) - wir texten schon mal los!
Herrmann Redakteur







