Jeanne Rubner, ihres Zeichens eigentlich Leitende Redakteurin im Ressort Außenpolitik der Süddeutschen Zeitung, hat in der Wochenend-Ausgabe eine wunderbare Glosse über die Männer geschrieben. Und zwar nicht über irgendwelche. Sondern über diejenigen unter den Berufstätigen, die sich Väter nennen.
Die Autorin schildert eine Szene, in der ein Kollege seine kleine Tochter in die Redaktionskonferenz mitbringt. Das Blondchen wird bewundert und persönlich vom Chefredakteur begrüßt. Was wäre wohl die Reaktion auf eine vergleichbare Aktion einer Redakteurin gewesen? „Überfordert, die Gute, kriegt offenbar die Kinderbetreuung nicht auf die Reihe!“, ätzt Rubner.
Zwar haben die Männer das Thema Kinder entdeckt, angeführt von Promis wie Brad Pitt, der seine sechs Kinder durch die Hochglanzmagazine schleppt. Oder befeuert von Autoren wie Richard David Precht, der seinem Sohn Oskar in seinem neuen Buch „Warum gibt es alles und nicht nichts“ mitten in Berlin die Welt erklärt.
Und die Zahl der Väter in Elternzeit hat sich in den vergangenen vier Jahren auf 20 Prozent verfünffacht. Aber, zitiert Rubner die dürre Statistik, die Männer beanspruchen in der Regel nur die zwei Pflichtmonate. Ein Väter-Hype, findet sie, sieht anders aus. Am Ende, konstatiert Rubner, sind die „neuen Väter in ihrem Kern alte Väter im neuen Gewand.“ Die Autorin fühlt sich genervt, weil die Väter Erziehung als grandioses Feuerwerk inszenieren: Sekundenlang illuminieren sie den Kinderhimmel, um dann schnell wieder zu verschwinden.
Tatsächlich ist es hoffähig geworden, beruflich mit den Männern über den Nachwuchs zu smalltalken. Das wäre vor zehn Jahren noch nicht möglich gewesen. Wie viel all die in punkto Familie emsig parlierenden Geschäftsführer und Teamleiter zu Hause tatsächlich leisten, weiß in Wirklichkeit nur ihre Frau.
Jeanne Rubner jedenfalls, die gerne über dieses Thema poltert, weiß, wovon sie spricht. Sie hat immer noch Seltenes geschafft: promovierte Naturwissenschaflterin, Mutter von vier Kindern und im Führungsteam einer Zeitung. Das muss man ihr erst einmal nachmachen. Auch die Männer, die heute so gerne über ihren Nachwuchs plaudern.
Dieser Blog wurde verfasst von:
Dorothee
Rothfuß
mehr zum Autor...